Kollege Christian Schmidt schreibt eine Kolumne über manchmal geistfreie Spieletests auf Spiegel Online (hier die Langfassung), Kollege Mick Schnelle antwortet darauf erbost in einer Kolumne auf GamersGlobal, während Kollegin Petra Fröhlich ihre Verstimmung ebenfalls auf Spiegel Online verkündet. Kollege Alexander Laschewski fügt in einer eigenen Kolumne auf AreaGames einige neue Gesichtspunkte hinzu.

Nachdem ich all diese Artikel und mehrere hundert Kommentare dazu gelesen sowie etliche eigene verfasst habe, juckt es mich in den Fingern, der Debatte einen eigenen Kommentar hinzuzufügen, gespeist aus der Erfahrung von 18 meist schreibend verbrachten Jahren.

Allerdings hinke ich durch das Studium der oben verlinkten Werke meinem eigenen Tagewerk etwas hinterher – ich verspreche aber, morgen, spätestens Freitag ein paar hoffentlich schlaue Zeilen getippt zu haben. Ein erster Entwurf steht bereits.

A critic is, essentially, a fan with an IQ; a critic has to be a fan, because nothing other than love can sustain critical enthusiasm over the course of years.

(Mick LaSalle, San Francisco Chronicle Movie Critic)

Characters in films are just as fake as characters in videogames. Neither exists. Why, despite the pivotal position emotional attachment has in game design, does film do so much better than we do? Are they better writers, or is there another challenge unique to our medium?

(Randy Smith, Spieldesigner, in EDGE 201)

Schon letzte Woche schrieb ich eine neue Kolumne für Jörg Langers Internet-Magazin Gamers Global.

Daraus hat sich inzwischen eine erfreulich erwachsene Diskussion um das Thema entsponnen, warum ab einem gewissen Alter kaum jemand mehr Zeit mit PC- und Videospielen verbringt.

Lesen und Kommentieren ausdrücklich empfohlen.

Die neuen IVW-Zahlen sind da – die Verkaufszahlen deutscher Printerzeugnisse des letzten Quartals. Wieder einmal müssen die PC- und Videospielmagazine heftig bluten. Teilweise 20 Prozent verlieren da einige Kandidaten – die magischen 100.000 verkauften Exemplare schaffen nur noch drei Hefte, zwei davon nur knapp.

Jetzt kann man sicher fragen: Woran liegt es? Am wie immer gerne als Entschuldigung und kostenlose Konkurrenz genannten Internet? Nein, nicht primär. Wohl aber daran, dass die Zeitschriften nicht oder falsch auf das Internet reagieren – statt inhaltliche Änderungen zu etablieren, die es so im Netz nicht gibt, besteht die einzige Reaktion der Verlage darin, alles so billig wie nur irgend möglich zu produzieren.

Liebe Leute, keiner will mehr Dutzende von News-Seiten, wenn es das alles schon online gibt. Niemand interessiert sich mehr für über 40 Spieletests – konzentriert euch lieber auf ein Dutzend echter Kracher, wenn es die überhaupt jeden Monat gibt. Dann aber richtig, mit langem Test, großen Bildern und magazinigem Hintergrundbericht über die Entwickler. Den Rest vom Fest kann man auch mit einem Bild, einem Satz und einer Wertungszahl auf einer Doppelseite abfeiern. Oh, und Tipps & Tricks? Gibt’s alles online, kostenlos.

Doch stattdessen wird gekürzt, werden langjährige Mitarbeiter gegen preiswerte Volontäre ausgetauscht, die teilweise noch bei Muttern wohnen. Das schlägt sich natürlich auf die inhaltliche Qualität der Hefte nieder – ein Volontär besitzt zum Beispiel keine zehn bis 15 Jahre Branchenerfahrung nebst den in dieser Zeit gewonnenen Kontakten. Also springen deshalb auch die Leser ab, die das Heft vorher noch gekauft haben.

Diese Entwicklung erfüllt mich mit Trauer, denn ich bin nach wie vor ein großer Fan gut gemachter Magazine. Ein Kindle kommt mir noch nicht ins Haus.