{"id":226,"date":"2007-06-26T18:19:48","date_gmt":"2007-06-27T02:19:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.austinat.de\/blog\/?p=226"},"modified":"2007-06-29T12:57:07","modified_gmt":"2007-06-29T19:57:07","slug":"nur-fliegen-ist-schoner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.austinat.de\/blog\/archives\/226","title":{"rendered":"Nur Fliegen ist sch\u00f6ner"},"content":{"rendered":"<p>Freitag, 22. Juni. Dritter Flug zur Ostk\u00fcste in diesem Monat. Umsteigen in New York, John F. Kennedy Airport. Nach Philadelphia geht es mit einer kleinen Turboprop-Maschine, die nat\u00fcrlich ein paar Minuten Versp\u00e4tung hat. Statt um 16:50 soll es nun gegen 17:15 Uhr los gehen. Ich gehe kurz nach f\u00fcnf \u00fcber das Rollfeld zum Flugzeug, das zu meiner \u00dcberraschung bis auf die Crew komplett leer ist. Ein paar Minuten sp\u00e4ter tr\u00f6pfeln dann doch noch ein paar Passagiere ein. Es folgt die Sicherheitsbelehrung mit dem Satz: &#8220;Es kann sein, dass ihre Leselampe nicht funktioniert. Das tut uns leid &#8211; wir sind auch dabei, Flugzeuge wie dieses loszuwerden und gegen moderne Jets auszutauschen.&#8221; Sehr beruhigend, hoffentlich werden wenigstens noch die Motoren gewartet. Die \u00e4ltere Dame neben mir schl\u00e4gt in die gleiche Kerbe: &#8220;Na, einen Flug sollte diese Maschine aber noch \u00fcberstehen.&#8221;<\/p>\n<p>Zehn Minuten sp\u00e4ter stehen wir immer noch nicht auf der Startbahn. Der Captain meldet sich zu Wort und erkl\u00e4rt, dass wir noch nicht starten k\u00f6nnen, weil der Luftraum \u00fcberlastet sei. Dann, dass wir nun los k\u00f6nnten, doch noch 15 Flugzeuge vor uns dran seien. Die Passagiere werden unruhig, die Flugbegleiterin teilt schon mal ein paar Knabbereien aus und meint, dass das noch gar nichts sei: &#8220;Gestern mussten wir auf 80 Flieger vor uns warten.&#8221; &#8211; &#8220;Sie meinen 18, eins-acht, oder?&#8221; fragt etwas ungl\u00e4ubig ein anderer Mitreisender. &#8220;Nein&#8221;, kommt die Antwort, &#8220;80.&#8221; Wie beruhigend.<\/p>\n<p>Irgendwann gegen halb sieben sind wir dann doch in der Luft. Schlimmste Turbulenzen, die mir teilweise die Zeitschrift aus den H\u00e4nden rei\u00dfen. Die Dame neben mir sieht das mit Skepsis: &#8220;In der Luft w\u00e4ren wir, aber wer wei\u00df, ob wir auch genauso heil wieder runterkommen.&#8221; Ich erz\u00e4hle ihr von Luftstr\u00f6mungen \u00fcber Land und Wasser, von Druck- und Temperaturdifferenzen. Sie fragt mich, ob ich ein Pilot sei. I wo, nur jemand, der seine Diplomarbeit im Fachgebiet Str\u00f6mungsmechanik geschrieben hat.<\/p>\n<p>Philadelphia kommt windgesch\u00fcttelt n\u00e4her. Mit einigen r\u00fcden Man\u00f6vern verlieren wir an H\u00f6he und kreuzen wie ein Segelschiff bei starkem Gegenwind nach unten. Die Dame neben mir: &#8220;Der Pilot ist sicher ein guter Skil\u00e4ufer.&#8221; Sehr gut. Nach der Landung habe ich es nicht so eilig, die Maschine zu verlassen. Schlie\u00dflich muss meine Tasche ja erst noch den Weg zur Gep\u00e4ckausgabe finden. Ich frage die Flugbegleiterin, ob es gleich wieder zur\u00fcck nach New York geht, was diese mit der Frage beantwortet, ob ich aus England sei. Fast, aus Deutschland. Oh, meint sie, ich spreche auch Deutsch. Stellt sich heraus, dass sie w\u00e4hrend des Studiums eine Weile in in mehreren deutschen Orten gelebt hat. Selbst die Stadt Essen ist ihr bekannt. Erstaunlich. Da sie jedoch die Kabine wieder auf Vordermann bringen muss, ziehe ich von dannen.<\/p>\n<p>Der R\u00fcckflug nach San Francisco gestaltet sich weniger spektakul\u00e4r, von wilden Versp\u00e4tungen abgesehen. Statt um 11 Uhr 45 geht es erst um viertel vor eins nach Atlanta, wo wir von 14:15 bis etwa 14:45 Uhr \u00fcber dem Flughafen kreisen. Durchsage des Captains: &#8220;Sehr geehrte Passagiere, inzwischen haben vermutlich etwa die H\u00e4lfte von ihnen ihre Anschlussfl\u00fcge verpasst. (&#8230;)&#8221; Gro\u00dfartig. Da wir auch noch an einem anderen Terminal als geplant landen, mache ich mir ebenfalls leichte Sorgen um den zeitnahen Umstieg. Doch keine Sorge: Der Abflug in den Westen verschiebt sich von 15:26 auf 16:15 Uhr. Angeblich. Denn bis wir endlich abheben, vergehen nochmals eineinhalb Stunden. Diesmal liegt der gesamte Flughafen wegen schlechter Wetterverh\u00e4ltnisse lahm. Drau\u00dfen gibt&#8217;s sichtbar allerdings weder Regen noch Sturm &#8211; nur 45 Flugzeuge, die vor uns starten wollen. Kurz vor halb acht dann endlich in San Francisco. Flugreisen, glamour\u00f6s? Grober Unfug.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freitag, 22. Juni. 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