Ich finde es sehr bedenklich, wenn man aus politischen Gründen Sprache manipuliert und auch Kunst dadurch verändert. Gesellschaftlich bin ich hundertprozentig für die Gleichstellung von Frauen. Sie sollen das Gleiche verdienen wie Männer bei einer gleichwertigen Tätigkeit und Position. Aber dieses zwanghafte “Wir müssen überall die weiblichen Formen einführen” … Wir dürfen nicht mehr von Studenten reden, weil damit die Studentinnen angeblich unterschlagen werden. Das stimmt nicht. Das grammatische Geschlecht ist nicht gleichbedeutend mit dem natürlichen, biologischen Geschlecht. Nehmen Sie das Wort “die Person”. Das ist weiblich. Sind Männer keine Personen? Das ist vollkommener Quatsch. Da ist die Sprache zum Instrument der Politik gemacht worden. Immer, wenn das passiert, werde ich äußerst skeptisch.

(Bastian Sick, Journalist und Autor, unter anderem “Zwiebelfisch”)

In manchen US-Städten liefern Amazon & Co. die bestellten Güter noch am gleichen Tag aus. Das klingt supermodern, ist es aber eigentlich gar nicht. Aus dem San Francisco Chronicle vom 14. Dezember 1917:

Virtually all of the 1100 grocers in San Francisco have agreed to make no more than one morning and one afternoon delivery after January 1, Samuel H. Westfall of the State Council of Defense announced yesterday. “Nearly all the merchants in other lines have cut down already to one a day,” Westfall said, “and it has been estimated that 750 men in San Francisco alone will be released for other work through these economies.” “Wholesalers have agreed to reduce the number of truck deliveries to retailers; forty milk distributors now cover the ground of 140 ten years ago, and San Francisco is the only city in the United States in which there are no milk deliveries at night; business of all sorts is cooperating in the effort to economize on man power.” “There is not a town in California today, except those of less than 4000 population, that has not adopted the one-delivery-a-day plan. The housewives of the State have been educated to serve the country by not demanding the delivery of little things.”

Interessant, oder? Schon vor über 100 Jahren steuerten Lebensmittelhändler Privatwohnungen gleich zwei Mal pro Tag an. Aber damals waren sie scheinbar schlauer als heute – statt den Verkehr auf den Straßen im Namen der “convenience” zu erhöhen, reduzierten die Geschäfte die Auslieferungen. Auch, wenn weniger die Umwelt als die Kostenersparnis einer der Hauptgründe gewesen sein dürfte.

Decken Amazon Prime und Co. diese Kosten langfristig ab? Darüber lässt sich derzeit nur spekulieren. Doch die Kriechgeschwindigkeit auf den meisten Straßen nicht nur der Innenstadt sprechen eine klare Sprache. Und zu den Flotten von FedEx, UPS, DHL und OnTrack kommen heute noch die “Rideshare”-Firmen wie Uber und Lyft. In San Francisco machten alleine die Fahrten von rund 6.000 der etwa 40.000 registrierten Uber- und Lyft-Fahrer schon im letzten Jahr rund 20 Prozent des Straßenverkehrs aus. Zum Vergleich: Vor dem Boom dieser Anbieter gab es gerade mal rund 2.000 registrierte Taxis in der Stadt.

Gerade lese ich die Information, dass 20 Prozent aller Viertklässler nicht richtig lesen und schreiben können. In Deutschland. Das ist eine Menge. Aber das scheint kaum einen so richtig zu stören. Und das wird in ein paar Jahren ein echtes Problem, insbesondere, da ja einfachere Jobs mehr und mehr durch KI und Roboter wegfallen werden.

Wie aber kann man den Kids die Freude am Lesen zurückgeben? Machen die heute zu viel mit dem Smartphone? Der Konsole? Dem Computer? Hm.

Persönlicher Zusatz: Klar, ich habe als Kind auch Kassetten und sogar Schallplatten mit Märchen, TKKG, Drei Fragezeichen und Co. gehört, Stunden und Tage mit Atari VCS 2600 und C-64 verbracht sowie mit dem Fahrrad und Freunden die Gegend unsicher gemacht.

Aber gleichzeitig habe ich hehre Büchermengen verschlungen, weil mich meine Eltern schon im Kindergartenalter mit Vorlesen angefixt haben, denen ich dafür von Herzen danken muss. Heute hapert es zeitlich ein wenig, wobei ich meinen “Ein Buch pro Monat”-Plan 2018 umsetzen werde.

Nobody really owns anything. We give back our bodies at the end of our lives. We own our thoughts, but everything else is just borrowed. We use it for a while, then pass it on. Everything.

(Deborah Ellis, Schriftstellerin)

If I had more time, I would have written less.

(Donald Bain, Schriftsteller, 1935-2017)

Energie!

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Mit einiger Verspätung sah ich heute dann doch Star Trek: Beyond. Als jemand, der mit der Ur-Enterprise groß geworden ist, und der die die letzten beiden Action-Treks etwas zwiespältig im Gedächtnis hat, habe ich so ab der Hälfte des Films angefangen, mir Notizen zu machen.

Vorweg: Der Film gefiel mir besser als der zweite aus dem Hause Jar Jar Abrams. Alle Schauspieler hatten ihren einen oder anderen Moment vor der Kamera, gut. Die neue Crew hat sich auch besser eingespielt als noch im etwas klamaukigen ersten Reboot-Film, sowohl, was das Geplänkel miteinander als auch den Duktus der Ur-Crew angeht – gerade Chris Pine hat die Sprechweise von William Shatner erstaunlich gut raus. Der Film als solcher: kurzweilig, auf jeden Fall.

Aber. Es gab doch einige offensichtliche und verborgene Sollbruchstellen. Da wird die Enterprise von Heerscharen von Gegnerschiffen durchlöchert, doch die Atmosphäre ist immer zur Stelle? Das Fenster zum All auf der Brücke trotzt allen dagegenfliegenden Schiffen und sonstigem Weltraumschrott, aber dann kann es Kirk mal eben so mit dem Phaser einschießen? Anschließend rutschen Kirk und Checkov die Untertasse herunter und überleben das ohne den geringsten Kratzer?

Okay. Vielleicht kann man das noch wegargumentieren. Wie wäre es dann mit der von Kirk per Durchsage angekündigten Funkstille durch den Nebel, die der Bösewicht ganz entspannt mit jahrhundertealter Technik durchdringt? Wobei ihn nicht zu interessieren scheint, was – Spoiler-Alarm – mit seinem ehemaligen Schiff so passiert? Egal. Und dass die komplette Enterprise-Crew in eine einzige Hütte in dessen Lager passt? Schwamm drüber.

Nehmen wir die coole, wenngleich mit sinnlosem Leerraum gefüllte Föderationsstation, deren Kern dem Todesstern verdächtig ähnlich sieht: die hat keinerlei Verteidigungsanlagen, so ganz alleine da draußen im Weltall? Außer vielleicht Greg Grundberg, der mal eben von Alias via Star Wars ins Star-Trek-Universum gewechselt ist?

Putzig auch die Idee mit der Störstrahlung über “Radiowellen”, um die Bösewichte aus dem Tritt zu bringen. Dazu muss man “ganz nah an die Gegner” fliegen – aber wenn die über diesen Kanal kommunizieren, wie können dann die Flieger, die nicht “ganz nah” beisammen sind, sicher stellen, dass sie nicht miteinander kollidieren? Und warum werden Pille und Spock sowie die drei gegnerischen Schiffe nicht von den Beastie Boys aus dem Tritt gebracht?

Warum erschießt Kirk den Erzgauner nicht auf der Stelle, der ja alle Bewohner einer Raumstation töten will – und dann noch den Rest des bewohnten Universums? Überhaupt: Dessen Identität findet Uhura genau wie heraus? Aus einem Party-Video? Aber da sieht er ja ganz anders aus. Und doch ist er am Ende wieder seiner Ursprungsform ähnlich – wie kann das sein, wo er doch auch schon auf seinem Planeten Menschen ausgesaugt hat? Da stört es mich kaum, dass das Crewmitglied der Enterprise von der Superwaffe augenblicklich aufgelöst wird, während der Bösewicht …

Tja. Was macht man mit Star Trek: Beyond? Ich würde ihm wohl eine 3+ geben. Strenggenommen ist selbst die Prämisse des Films Kokolores. Die Föderation glaubt einer hilfesuchenden Person blind und schickt das beste Schiff mit der besten Crew los? Hallo? Kurzweilig war er wie anfangs gesagt ja schon, aber könnten die Bad Robots beim nächsten Mal nicht jemanden das Drehbuch lesen lassen, der es auf Ungereimtheiten wie die oben erwähnten überprüft? Ach, man wird ja noch träumen dürfen.

Die Tage bekam ich eine Mail von Google. Ich solle doch mal in mein Adsense-Konto schauen, da wären ein paar Dollar angelaufen, die beim weiteren Nichtanmelden an den Staat fallen würden. Spannender Opener, also mal eingeloggt und festgestellt, dass rund 35 US-Dollar meiner harren, die Auszahlungen aber erst ab 100 Dollar beginnen.

Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Mehrzahl der Dollar vor gut zehn Jahren erzeugt wurden, damals zu Hochzeiten meines Bloggens auf der Google-eigenen Blogger-Plattform. Allerdings habe ich die Anzeigen vermutlich deswegen nie gesehen, weil ich mit einem dieser schmutzigen Adblocker unterwegs bin.

Jedenfalls gaben mir einige der Einträge von damals den Eindruck, als hätte ich seinerzeit lustiger, spritziger und, ganz ehrlich, häufiger geschrieben. Ob ich das heute noch kann? Mal sehen. Und ebenfalls mal sehen, ob das noch irgendwen interessiert, oder ob Blogs, die nicht mit Klickbait-Listen wuchern, noch gelesen werden.

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