Am Wochenende heirateten Matthias und Victoria in Sonoma. Gegen 21 Uhr war der offizielle Teil der Veranstaltung vorbei – nicht ungewöhnlich für amerikanische Hochzeiten. Die Nacht war es allerdings noch nicht. So marschierten Freunde, Groomsmen und Bridesmaids in einen irischen Pub mit dem stilechten Namen Murphy’s, tief im Herzen der Metropole Sonoma.

Dort begegnete uns nicht nur eine zweite Hochzeitsgesellschaft aus Los Angeles, sogar mit Braut und gegen Ende des Abends sturzbetrunkenem Bräutigam, sondern auch eine Band, die erstaunlicherweise die alte deutsche Weise An der Nordseeküste zum Besten gab. Aber als ich mich ob solch völkerverständigender Aktion zu freuen begann, wurde ich belehrt, dass es sich dabei ursprünglich um ein irisches Volkslied namens The Wild Rover handeln würde. Und wieder eine Illusion dahin.

Es ging mir jedoch nicht allein so: Eine spontane Umfrage ergab, dass zahlreiche anwesende Deutsche nicht wussten, dass “Ein Bett im Kornfeld” eine miese Cover-Version von “Let your love flow” ist.

Wie dem auch sei: Wer dieses Kleinod der Volksmusik aus Irland und/oder Deutschland nicht kennt: Hier gibt’s eine MIDI-Version.

Comments

10 Responses to “An der Nordseeküste”

  1. tom on October 17th, 2007 1:58

    Siehste. Und Eva Herman ist ein Cover von Magda Goebbels…

  2. ro on October 17th, 2007 2:03
  3. Thomas W. on October 17th, 2007 6:37

    @ro: Exakt.
    Zudem sollte sich jeder mal ansehen, was Eva Herman wirklich geäußert hat:

    „Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ’ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben […]“

    Wenn man dies nicht mehr sagen darf ohne seinen Job zu verlieren, dann sind die Medien in Deutschland wirklich gleichgeschaltet.

    Wobei – als Herman dann den Begriff “gleichgeschaltete Medien” verwendete, wurde ihr erneut Nazi-Vokabular unterstellt. Worauf Sie völlig zu recht entgegnete: Mag sein dass die Nazis auch dieses Wort verwendeten, aber über die Autobahnen fährt heute ja auch noch jeder. Woraufhin Kerner japste: “Autobahnen, das geht ja schon mal gar nicht!”
    Sage ich als Verkehrsplaner übrigens auch, meine dann aber was anderes als Kerner mit diesem intellektuellen Kurzschluss, denke ich mal.

    Ich bin nebenbei bemerkt auch kein großer Krippenfreund und erinnere mich noch deutlich, wie zur BRD-DDR-Zeiten die Krippen in der DDR als Quell allen Übels und sozialistischer Gleichschaltung dargestellt wurden. Jetzt jedoch fordert selbst die CSU Krippenausbau. Aber eine sachliche Diskussion zu diesem Thema war auch bei Kerner nicht möglich, da Senta Berger und Margarete Schreinemarkers nur per Beißreflex reagierten, egal wie sich Frau Herman äußerte.

  4. Wolfi on October 18th, 2007 16:19

    Die Frau geht einfach gar nicht. Du kannst nicht die Familienpolitik der Nazis in Deutschland gut heissen. Millionen von JUEDISCHEN Familien hat das naemlich leider nichts gebracht, im Lebensborn sollten Arier gezuechtet werden- da gibt es wirklich nichts positives zu berichten.
    Und der an den Haaren herbeigezogene Vergleich mit den Autobahnen: Die Ideen und Planungen fuer diese stammen alle bereits aus den 20er Jahren (AVUS in Berlin, 1921, A555 Koeln-Bonn, Baubeginn 1929). Hitler’s ‘Verdienst’ war es lediglich, Zwangsarbeiter zum Ausbau des Netzes einzusetzen.
    ‘War doch nicht alles schlecht im dritten Reich.’ Sorry, aber wenn Du kein gleichgeschalteter Duckmaeuser warst, war es das leider schon!

  5. ro on October 18th, 2007 17:05

    Wolfi, jetzt muss ich bei aller Liebe aber doch fragen, ob Du Thomas’ Kommentar beziehungsweise den von Broder gelesen hast. Ich habe in keinen von beiden eine Gutheißung der Nazi-Familienpolitik gefunden. Hermann scheint gesagt zu haben: “Das was gut war (…) wurde abgeschafft.”

    Dass die Autobahnen nicht von Hitler erfunden worden sind, sondern ein Erbe der Weimarer Republik waren, lernt man doch im Geschichtsunterricht.

  6. Wolfi on October 18th, 2007 23:20

    :-)Aeh. ja- wurde es. Laut Hermann’s Meinung von den 68ern. Weil die Nazis ja so eine gute Familienpolitik hatten.
    Und laut Ihrer Meinung darf man in diesem Bezug in Deutschland auch nicht von Autobahnen sprechen, also hat zumindest sie es nicht im Geschichtsunterricht gelernt.

  7. Thomas W. on October 22nd, 2007 3:43

    Letzte Woche lief im Deutschlandfunk ein ausführliches Interview mit Eva Herman gesendet. Sie hat nochmals betont, dass sie die Familienpolitik der Nazis nicht gut fand. Im Gegenteil, die Nazis haben die Familie instrumentalisiert und ebenfalls eine Entfremdung zwischen Kindern und Eltern bewirken wollen, so Herman. Aber im Folge der Abrechnung mit dem Dritten Reich wurden die seit Jahrhunderten bestehenden familiären Werte von der 1968 als Nazi-Werte diffamiert und gleich mitabgeschafft. Und so ist auch ihr Zitat zu lesen und zu verstehen. Andere Deutungen entspringen wohl eher eigenen Reflexen und Denkschemata als dem, was wirklich in Ihrer Aussage drin stand. Das so verkürzend gearbeitet wird – Herman beklagt, dass im Zuge der Abrechnung mit dem dritten Reich die alten Familienwerte mit den Nazis gleichgesetzt und gleich mit abgeschafft wurden, wurde von den Medien zu “Die Nazis hatten eine tolle Familienpolitik, die wieder eingeführt werden muss” verstümmelt – belegt ja nur, dass die 68er mit ihrer Gehirnwäsche sehr gründlich und erfolgreich waren.

  8. Thomas W. on October 22nd, 2007 3:52

    Noch als Ergänzung: Ein Großteil der heute noch existierenden Autobahn-Kilometer wurde tatsächlich während der Naziherrschaft gebaut. Ob man es wahrhaben will oder nicht. Der Vergleich passt also.

    Genau so wie die Nazis übrigens auch Vorläufer des Kindergeldes einführten und die Steuerbefreiung von Überstunden. Und meines Wissens nach auch den gesetzlich geregelten Ladenschluss und manches mehr. Schließlich hatten sie ja genug Zeit dafür, zahlreiche Gesetzesvorlagen zu erstellen – ungefähr 1000 Jahre,
    oder?

    Broder hat neulich übrigens in einer Fernsehglosse gefordert, endlich nicht mehr die Autobahnen des Führers zu nutzen und wieder auf Landstraßen auszuweichen.

  9. Wolfi on October 22nd, 2007 15:01

    Der Vergleich geht nicht, aus einem ganz einfachen Grunde: Hermann hat es vereinfacht reduziert auf ‘wenn man darueber nicht reden darf, darf man auch nicht mehr ueber Autobahnen sprechen’. Autobahnen wurden aber nunmal nicht von den Nazis erfunden, sondern lediglich erbaut. So wie die Nazis oft laengst existierene Plaene verwendet haben, um sie als ihre zu feiern und das 1000 jaehrige Reich marketing-maessig ins rechte ;-) Licht zu ruecken. Und: “Tatsächlich wurden im Dritten Reich nur 4000 Kilometer Autobahnstrecke errichtet” (manche Quellen sprechen nur von knapp 3000). Das deutsche Streckennetz ist gesamt ueber 12.000km lang, also kann keine Rede davon sein, dass die Nazis den ‘Grossteil’ erbaut haetten. DAS waehrend der Nazi- Zeit Autobahnen gebaut wurden, der Kaefer entwickelt wurde (uebrigens gibts dazu ja auch einen schliesslich von VW beigelegten Rechtsstreit mit einem tschechischen Konstrukteur) und es DEUTSCHEN Familien ‘arischer’ Abstammung gut ging, solange sie nicht aus der Reihe tanzten, bestreitet ja niemand.

  10. Thomas W. on October 23rd, 2007 1:48

    @Wolfi:

    a) “ein Großteil der Autobahnen” ist nicht gleichbedeutend mit “der Großteil” oder “der größte Teil”, sondern halt ein großer Teil der Autobahnen, und zwar sogar das Herzstück des Netzes

    b)
    1. Die Nazis haben die Autobahnen nicht erfunden aber gebaut/für ihre Zwecke mißbraucht, stimmt

    2. Die Nazis haben die Familienwerte nicht erfunden aber genutzt/für ihre Zwecke mißbraucht, richtig?

    3. Eva Hermans Vergleich passt daher wie die Faust aufs Auge. Denn wer Familienwerte diffamiert, weil sie von den Nazis genutzt (aber ja nicht erfunden!) wurden, der darf auch die Autobahnen nicht nutzen, die auch von den Nazis nicht erfunden(!) aber gebaut/missbraucht wurden.

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