Darf man Probleme und deren Ursachen heute noch ansprechen? Oder wird man dann sogleich als Volksverhetzer von der Staatsanwaltschaft und den Medien ins Gebet genommen?

Damit meine werten Leser in einer gerade aktuellen Diskussion mitsprechen können, empfehle ich die LektĂŒre des kompletten Artikels, den der ehemalige Berliner Senator und jetzige Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin verfast hat.

Ziemlich gut ist in dem Zusammenhang ein Deutschlandfunk-Interview mit dem ehemaligen PrĂ€sidenten des Bundesverbands der deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, der offen fragt, ob der Reporter ĂŒberhaupt den Text in seiner Komplettheit gelesen habe (siehe oben).

An meine frech geduzten Leser die Frage: Wie nehmt Ihr die Diskussion wahr? Ist etwas an der Aufregung dran, oder wird sich da nur erregt, weil sich die Deutschen ja nicht mehr erregen dĂŒrfen? Immerhin bin ich ja schon ĂŒber fĂŒnf Jahre nicht mehr im Lande.

Kindle hin, Lesemuffel her, am Tag nach der Obama-Wahl – die ich mit Beruhigung und stiller Freude erleben durfte – waren ausgerechnet die guten, alten Zeitungen heiß begehrt. Und das nicht nur in San Francisco, wie meine Schwester mir mitteilte. Allerdings waren die Zeitungen im Coffeeshop ihres Vertrauens nach dem Sieg der Phillies noch schneller verschwunden.

Über den ganzen Mittwoch hinweg druckten die Verlage teilweise mehrere hunderttausend Exemplare ihrer Erzeugnisse nach, weil die Nachfrage so groß war. Der San Francisco Chronicle bot online sogar die regulĂ€re Ausgabe nebst einer besonderen Wahlbeilage an, bis zu fĂŒnf StĂŒck fĂŒr 15 Dollar. Die gleiche Summer musste berappen, wer auch nur eine einzige New York Times im Internet bestellen wollte.

Mein Chronicle erwies sich als Comeback-Experte. Als ich das GebĂ€ude am Nachmittag verließ, legte ich die Zeitung unter ein an mich adressiertes PĂ€ckchen. Keine drei Stunden spĂ€ter war das PĂ€ckchen noch da, der Chronicle jedoch verschwunden. Eine kurze Krisensitzung mit Monty und Yoko hatte ein Wiederaufleben der “Klaut keine Zeitungen!”-Zettel zur Folge. Ich war dennoch ob der Dreistigkeit verĂ€rgert, mit der der Dieb das noch nicht mal auf den ersten Blick einsehbare Druckerzeugnis entwendet hatte.

Vier Stunden spĂ€ter kam ich von einem Geburtstagsabendessen zurĂŒck. Siehe da: Unter dem besagten Zettel lag tatsĂ€chlich meine Zeitung, erkennbar an der handschriftlich aufgemalten Apartment-Nummer. Hurra!