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Feb
9
Bankenkrise
Filed Under Only in America, San Francisco | 8 Comments
Als Auslandskorrespondent landen meine Honorare auf einem deutschen Eurokonto, von dem ich bei einer Partnerbank hier in den USA gebührenfrei Dollars abheben kann. Soweit, so gut. Doch was mir in den letzten beiden Monaten passiert ist, macht mich, vorsichtig ausgedrückt, extrem wütend.
Da zum Monatsersten der Mietscheck unter der Tür des Apartment Managers durchgeschoben werden will, heißt es: Rechtzeitig Geld holen, damit der Scheck nicht platzt. Auf den Anachronismus dieser Methode gehe ich mal besser nicht ein. Jedenfalls wirkte der Geldautomat Anfang Januar minutenlang, um mir dann mitzuteilen, dass die Transaktion nicht durchgeführt werden könne. Weitere Abhebeversuche schlugen fehl, wenige Tage wurden meinem deutschen Konto 1000 Dollar belastet, die ich nie erhalten hatte.
Nach einer kurzen Mail an meine Bank wurde das Problem aus der Welt geräumt, mein Scheck schlug etwa eine Woche zu spät beim Apartment Manager auf, der mich schon telefonisch zu packen versuchte. Letzte Woche wieder ein Gang zur Bank: Erneut wirkte der Automat länger als gewohnt, um dann mit einem knallroten Bildschirm abzustürzen. Der Nachbarautomat meinte nur lakonisch: “Insufficient funds”.
Diesen Spruch lese ich bis heute. Rückfragen an meine deutsche Bank ergaben, dass erneut 1000 Dollar abgebucht worden sind – einmal mehr habe ich diese jedoch nicht erhalten. Bei einem Besuch der amerikanischen Bank meldeten mir die Angestellten, dass sie keinen Zugriff auf die Geldautomat-Logbücher hätten und dass ich dazu doch besser meine Bank in Deutschland befragen solle. Sie können nur eigenen Kunden Geld gutschreiben.
Da ich allerdings diesen Monat mutig war und einen ungedeckten Scheck unter der Tür des Apartment Managers durchgeschoben hatte, ist Warten eine denkbar schlechte Alternative. Umso mehr, da heute früh ein Zahlungsbeleg unter meiner Tür durchgeschoben wurde: Heute abend schon kann die Hausverwaltungsgesellschaft die Mietschecks einlösen. Was mache ich in meiner Not? Ich besorge mir Bargeld über meine Kreditkarte. Klar, dass ich auf den entstehenden Gebühren und Zinsen sitzen bleibe. Klar, dass mich fehlgesteuerte Geldautomaten im 21. Jahrhundert extrem wütend machen.
Update: Es scheint, als hätte der US-Bankangestelle die Wahrheit gesprochen – alle drei Tage führt der Geldautomat eine Art Reset durch. Und merkt, was für einen Unsinn er verzapft hat, denn prompt erscheinen die fehlgebuchten Euro wieder als vorgemerkte Transaktion auf meinem deutschen Konto.
Feb
7
The hood’s going down
Filed Under San Francisco | 1 Comment
Ich mag Veränderungen. Was mich allerdings grimmig stimmt, sind Neuigkeiten, die mir gestern abend ein Mit-Einkäufer bei Cala Foods erzählte. Der Supermarkt, gerade mal zwei Blöcke von meiner Wohnung entfernt, soll geschlossen werden. So neu, so bekannt, davon sprechen alle Nachbarn schon seit Jahren. Doch schon in sechs Monaten soll es soweit sein.
Nicht nur, dass ich dann keinen halbwegs erschwinglichen Supermarkt mehr in Gehweite habe – dort werden neue Eigentumswohnungen hochgezogen. Richtig, Eigentumswohnungen gibt es hier ja noch nicht genug. Und wer es sich erlauben kann, in San Francisco zu wohnen, der wird ja bitteschön auch Geld für einen Garagenstellplatz mitbringen, damit er die Einkäufe aus den Flächenmärkten außerhalb der Stadt bequem entladen kann. Nur blöd, wenn man gar kein Auto besitzt.
Ebenfalls in Gefahr ist mein geliebter RiteAid-Drogeriemarkt. Er soll angeblich von Konkurrent Walgreens übernommen werden, wobei Walgreens nur wenige Blöcke entfernt zwei weitere Filialen unterhält. Worauf die Nummer hinausläuft, kann man sich denken.
San Francisco mutiert in meinen Augen immer mehr zu einer Art Vergnügungspark. Wer Geld hat, der lebt hier herrlich und in Freuden, alle anderen ziehen doch bitte in die Vororte. Mal sehen, wann hier nur noch kinderlose Paare, Singles und reiche Rentner wohnen.
Jan
31
Mit der MUNI unterwegs
Filed Under Americanos, San Francisco | Leave a Comment
Knallvoller Bus. Ich beschließe dennoch, nicht auf den nächsten, schon am Horizont sichtbaren zu warten, sondern zwänge mich hinein. Stehe praktisch neben der Fahrerin. In Deutschland hätte es jetzt vermutlich einen Anraunzer gegeben. Hier entspinnt sich ein Gespräch zwischen ihr und mir, das einen wilden thematischen Bogen schlägt: von dem fast vorübergegangenen Januar über früh gekaufte und zu Thanksgiving verschenkte Weihnachtsgeschenke bis hin zu schlaflosen Senioren, die sich vermutlich mit Ginseng aufputschen. Drei, vier Haltestellen später steigen zahlreiche Leute aus, die Lage entspannt sich. Ich rücke tief ins Innere des Busses vor.
Nov
19
Kein Glück?
Filed Under Essen fassen, San Francisco | 8 Comments
Was hat es zu bedeuten, wenn ich gestern abend nach dem Essen im chinesischen Restaurant zum ersten Mal in meinem Leben keine Botschaft in meinem Glückskeks antreffe?
Oct
27
Kino-Referenzen
Filed Under Kinowelt, San Francisco | 3 Comments
Na gut, einen Griffin-Post habe ich noch. Wenn sich zwei Hundebesitzer im Großstadtdschungel mit ihren Gefährten begegnen, sind diese oft angeleint, um nicht unter die Räder zu kommen oder kleine Kinder aufzufressen.
Gestern begegnete mir eine Dame Ende 30, Anfang 40, deren Kind und Hund begeistert Griffins Bekanntschaft machen wollten. Natürlich verheddern sich dabei die Hundeleinen dabei ganz hervorragend. Mein Standardspruch, oft nur halb gemurmelt, ist in so einem Fall dann immer: “Don’t cross the streams.” Versteht nie einer.
Die besagte Dame entgegnete jedoch, die Leinen entheddernd: “Wait, that’s a reference to Ghostbusters.” Hell loderte die Begeisterung in mir empor! Fast hätte sie umarmt, doch ich beschränkte mich stattdessen darauf, ihr Filmgedächtnis über die Maßen zu preisen. Sie wissen schon: nicht vor den Klingonen.
Oct
26
Cute!
Filed Under Americanos, San Francisco | 9 Comments
Habe mir heute folgendes überlegt: Wenn mir das nächste Mal bei einer Tour mit Griffin eine fesche Kollegin sagt: “Oh, what a cute puppy!”, muss ich darauf unbedingt antworten: “Yeah, he thinks that you’re pretty cute, too.” Natürlich nur, wenn nicht gerade ihr Freund daneben steht.
Oct
25
Wo sind die Frauen?
Filed Under Americanos, San Francisco | 5 Comments
Am Mittwoch zog ich mit Kollege Christian Schmidt durch die Stadt, der nach einem Event noch ein paar Stunden bis zum Rückflug nach Deutschland unverplant hatte. Natürlich kamen wir dann irgendwann auch auf das Thema Frauen zu sprechen. Übereinstimmend stellten wir fest, dass Montreal zu den Orten mit den attraktivsten Frauen des Planeten gehört.
“Ich war ja kurz davor, meine Meinung zum Thema Frauen in San Francisco zu revidieren”, meinte Christian, “als ich am Flughafen zwei große, dunkelhaarige Frauen erblickte. Doch dann fingen die an, miteinander zu reden – in Französisch.” Tja. Christian zufolge gibt es in San Francisco nicht genug gutaussehende Frauen.
Eine so große Dichte wie in Montreal oder Budapest mag es hier tatsächlich nicht geben. Doch bei einem mehrstündigen Spaziergang mit Griffin begegneten mir heute gleich zwei gutaussehende Damen, die von dem Australian-Shepard-Mix magisch angezogen wurden. Der Haken: An ihrer Seite befand sich stets der Freund.