Sometimes people say: “Oh, I wasted so much time playing your game.” I ask: “Was it a good time?” They say: “Sure!” Well, it’s not wasted then.

(Alexei Paschitnow, Erfinder von Tetris)

Noch immer leicht unklar, wer jetzt das Rennen macht – Blu-ray oder HD-DVD. Das hĂ€lt diverse Filmstudios nicht davon ab, immer neue AufgĂŒsse von bereits im Handel erhĂ€ltlichen Filmen auf DVD herauszubringen. Nehmen wir beispielsweise Blade Runner – wie viele Versionen des SF-Thrillers braucht der Mensch? Mehr als fĂŒnf, die in der vorweihnachtlichen Neuauflage enthalten waren? Kolumnist Mark Harris (Entertainment Weekly) dazu:

Personally, I’m holding out for a SuperPlatinum Deluxe Psychotic Edition, which will arrive in a crate containing 47 disks and Ridley Scott himself, who will hang out with you and then rewire your home sound system.

Dem ist nichts mehr hinzuzufĂŒgen.

In Aufsehen erregenden, zĂ€hen Verhandlungen konnten Produzenten und Autoren dieser Webseite anlĂ€sslich des andauernden Autorenstreiks eine Sondervereinbarung treffen, die zur Ziehung des Kalendergewinners fĂŒhrte.

FĂŒr Interessierte: Aus 23 Teilnehmern wurden per Zufallsgenerator zehn vorlĂ€ufige Gewinner bestimmt, unter denen dann per Zufallsgenerator ein endgĂŒltiger Sieger ausgelost wurde.

Über einen San-Francisco-Kalender darf sich Sven Stillich freuen, der gebeten wird, mir per E-Mail seine Postanschrift zukommen zu lassen. Allen anderen sei gesagt: Das war nicht das letzte Preisausschreiben.

Immer wieder gut: den Bankangestellten am Schalter freudig mit einem “Hey Yoshi!” begrĂŒĂŸen, um nach einem Blick auf dessen Visitenkarte festzustellen, dass er eigentlich Kirby heißt.

Cloverfield.
Wow. Meine. Fresse.

Sitze heute mit Freund Derrick beim Lunch in einem Sushi-Laden. Alles ziemlich voll, an unserem Tisch sind noch zwei PlĂ€tze frei. Artig fragen erst ein junger Mann, dann etwas spĂ€ter eine junge Frau, ob sie sich noch dazu setzen dĂŒrfen. Na klar, gar kein Problem.

Derrick und ich unterhalten uns angeregt ĂŒber die Ereignisse der letzten Wochen, bis die Frau namens Lori mich fragt, ob sie einen französischen Akzent hören wĂŒrde. Das hatte ich noch nicht, bislang wurde ich immer mal wieder verdĂ€chtigt, Kanadier, HollĂ€nder oder Ire zu sein.

Ein angeregtes GesprĂ€ch entspinnt sich, in das auch Tischnachbar Bryan einsteigt, der im gleichen GebĂ€ude wie Derrick arbeitet und ihn dort auch schon mal gesehen hat. Und damit nicht genug, denn nach einer Weile meint Bryan zu Lori: “Sag mal, wir kennen uns aber auch, oder nicht? Aus einer Uni-Vorlesung?” Stellt sich heraus, dass das keine billige Anmache war: Bryan und Lori hatten tatsĂ€chlich eine Pflichtvorlesung an der UC Davis zusammen gehört.

Klar, dass wir nach dem Essen unsere Visitenkarten ausgetauscht haben, um demnĂ€chst wieder zusammen essen zu gehen – dann etwas koordinierter.

Die Medienbranche klagt schon lange ĂŒber sinkenden Verkaufs- und Zuschauerzahlen. Schuld sind das Internet, Videospiele und natĂŒrlich auch gesteigerter Handykonsum. Die Print- beziehungsweise Zeitschriftenbranche, in der ich seit 1993 unterwegs bin, klagt besonders stark. Kein Wunder, denn wenn man sich die Auflagenzahlen ansieht, etwa bei PZ Online, gibt es dramatische EinbrĂŒche, die auch im letzten Jahr dafĂŒr gesorgt haben, dass zahlreichen Magazinen die letzte Ölung verpasst wurde.

Solche Tendenzen bekomme ich hier im Außenposten San Francisco hautnah mit: Erst wurde ich einen Verlag zu teuer, dann einem weiteren. Nun lebe ich hier bei weitem nicht in Saus und Braus, auf eine schwarze Null zu kommen ist seit Mitte 2004 mein monatliches Bestreben – die fragwĂŒrdige Langzeitperspektive dieses Unterfangens lassen wir mal außen vor. Bizarr ist jedoch: Wundere ich mich vorsichtig darĂŒber, dass ich 1993 ein höheres Seitenhonorar als heute bekommen habe, die Inflation in den letzten 15 Jahren leider keine Pause gemacht hat und meine Branchenerfahrung und -kontakte tendenziell gestiegen sind, gibt’s als recht nonchalante Antwort, dass es heute nun mal weniger Budget und mehr als genug freie Mitarbeiter gebe, die ihre Seiten gĂŒnstiger produzieren können.

Dieses Vorgehen erinnert mich fatal an die VerhĂ€ltnisse in manchen Spielefirmen, die ihren Mitarbeitern sagen: Ihr wollt mehr Geld? Bezahlte Überstunden? Mehr Freizeit? Tja, schade, gibt’s alles nicht – und wenn ihr kĂŒndigen wollt, nur zu. Es stehen ja genug Uni-Absolventen Schlange, die sich die Finger nach euren Jobs lecken. Hier vergessen die Arbeitgeber allerdings eines: Mitarbeiter, die schon lange Jahre im GeschĂ€ft sind, haben Erfahrung. Und Kontakte. Und sind nicht so schnell aus der Fassung zu bringen wie ein Neueinsteiger.

Um auf die Medienbranche zurĂŒckzukommen: Wundert es jemanden, dass – abgesehen von wenigen Ausnahmen – Artikel und Berichte immer flacher, floskelbeladener und austauschbarer werden? Und dass es womöglich sogar einen Zusammenhang zwischen sinkenden Auflagenzahlen und der Tatsache gibt, dass manche Seiten gegen lachhafte Entlohnung von Studenten zusammengeschustert werden, die noch daheim bei Muttern wohnen und sich ĂŒber eine Handvoll Euro fĂŒr ein paar Biere und ein kostenloses Spiel freuen?

Ich bin verwundert, dass solche Themen auf Strategiemeetings der Heeresleitungen nie angesprochen werden. Denn was den Inhalt angeht, so ist das Internet in der Tat oft mit deutlich besserer QualitĂ€t zur Stelle – und das kostenlos. Da sollte man mindestens mithalten wollen, geschweige denn etwas besseres abliefern.

Vielleicht sehe ich das alles auch nur zu idealistisch und die aktuellen Entwicklungen sind schon die letzten Zuckungen der Printbranche. Schade wÀre das.

Next Page →