Die Tage bekam ich eine Mail von Google. Ich solle doch mal in mein Adsense-Konto schauen, da wären ein paar Dollar angelaufen, die beim weiteren Nichtanmelden an den Staat fallen würden. Spannender Opener, also mal eingeloggt und festgestellt, dass rund 35 US-Dollar meiner harren, die Auszahlungen aber erst ab 100 Dollar beginnen.

Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Mehrzahl der Dollar vor gut zehn Jahren erzeugt wurden, damals zu Hochzeiten meines Bloggens auf der Google-eigenen Blogger-Plattform. Allerdings habe ich die Anzeigen vermutlich deswegen nie gesehen, weil ich mit einem dieser schmutzigen Adblocker unterwegs bin.

Jedenfalls gaben mir einige der Einträge von damals den Eindruck, als hätte ich seinerzeit lustiger, spritziger und, ganz ehrlich, häufiger geschrieben. Ob ich das heute noch kann? Mal sehen. Und ebenfalls mal sehen, ob das noch irgendwen interessiert, oder ob Blogs, die nicht mit Klickbait-Listen wuchern, noch gelesen werden.

Fast, cheap and good … pick two. If it’s fast and cheap, it won’t be good. If it’s cheap and good, it won’t be fast. If it’s fast and good, it won’t be cheap.

(Jim Jarmusch)

We’re connected in so many different ways via technology … yet there’s this immense disconnect. Now there’s this pressure to present yourself that you’re happy, that you’re doing well. It creates anxiety.

(Lori Mothersell, therapist)

If everything seems under control, you’re just not going fast enough.

(Mario Andretti, racing driver)

I think I’m reaching the top speed of my life right now.

Ever since I’ve stayed in this room at the Opus Hotel in Vancouver, I regret that I can’t paint the walls of my apartment to a similar dark, embracing red.

Bei meiner Suche nach Tipps, um der E-Mail-Flut Herr zu werden, die sich in meiner Inbox angesammelt hat, stieß ich auf diesen Blog-Post. Autor Merlin Mann hat einen guten Punkt: Wie viel Zeit vergeuden wir pro Tag wirklich mit dem Verwalten von E-Mail, noch nicht einmal mit deren Beantwortung?

Habe daher einen weiteren Tip des weisen Merlin befolgt und meine Helfershelfer Thunderbird und Apple Mail darauf getrimmt, nur noch einmal pro Stunde nach neuer Post zu schauen. Dadurch werde ich garantiert nichts verpassen, denn eine Stunde dauert bei einem normalen Bürojob auch die Mittagspause oder ein Meeting. Und im Zweifelsfall gibt es immer noch das Telefon, um mich sofort zu erreichen.

Nach meiner Rückkehr nach San Francisco, dem Besuchsstress der CES, zahlreicher Dauer- und Tagesgäste, IKEA-Fahrten und -Aufbauaktionen sowie einer Motorrad-Überführung für einen Freund grüße ich aus der inzwischen wieder arg sonnigen Bay Area – starke Regenfälle, Temperaturen um vier Grad Celsius sind nur noch eine vage Erinnerung.

Eine Existenz als ebenso vage Erinnerung droht übrigens auch allen Kommentaren, die Freund und Feind zu Einträgen der ersten zwei Inkarnationen des Extrablattes hinterlassen haben. In grauen Blog-Vorzeiten musste sich der wackere Webseitenbauer nämlich auf Dienste wie Haloscan verlassen, der dem damals noch eigenständigen und funktionsarmen Blog-Anbieter Blogger mit einem leicht bedienbaren Kommentarsystem aushalf. Kostenlos für die in den allermeisten Fällen ausreichenden Grundfunktionen.

Heute bekomme ich nun eine E-Mail, in der das Ende von Haloscan angekündigt wird: Eine Firma namens JS-Kit (kein Kommentar) hat Haloscan aufgekauft und wickelt den Dienst jetzt zugunsten seines eigenen Angebots ab. Heißt Echo, kostet zehn Dollar pro Jahr, erregt die Haloscan-Gemüter ob der eher rüden und raschen Ankündiguns-E-Mail. In der Tat scheint hier eine Firma mit der “Friss oder stirb!”-Methode einen Kundenpool möglichst fix auf das eigene Angebot bugsieren zu wolle.

Warum schreibe ich das alles? Auch ich habe nur noch bis zum 12. Februar 2010 Zeit, knapp 10,000 Kommentare zu exportieren und dann wieder zurück in den Blog zu importieren. Das geht zwar einigermaßen problemlos im XML-Format, doch aus unklaren Gründen sind fast alle Haloscan-Kommentare doppelt vorhanden – händisches Löschen ist bei einer solchen Menge ein unschönes Vorhaben.

Das noch größere Fragezeichen: Was tun, wenn alle Kommentare auf der Festplatte liegen? Wohin damit? In Blogger importieren, der Plattform der ersten zwei Blogs? Was, wenn die auch eines Tages dicht macht? Oder besser gleich in Richtung WordPress dirigieren? Dann müsste ich auch alle Blog-Einträge von 2002 bis 2006 importieren und damit auch alten Layouts in die Wüste schicken.

Gibt es noch mehr Blogger und Leser, die Haloscan benutzen und eine clevere Lösung gefunden haben?

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